El Camino – oder auch der Jakobsweg – my way; Teil 2

Meine Ankunft  in Galizien

Zwei Tage später folgt ein weiterer sehr steiler Anstieg auf 1330m nach O’Cebreiro. Kurz vor Erreichen des Ortes wandere ich in Galizien ein, eine Region mit keltischen Urspruengen. Obwohl  Spanisch die offizielle Sprache in Galizien ist, spricht wohl die Mehrheit ‘Gallego’, ein Mischung aus Spanisch und Portugiesisch. Auch die Schreibweise der Worte ist oftmals anders, z.B. wird der ‘Sch’- Laut durch ein ‘x’ ausgedrückt. Galizien ist für vieles bekannt; es gilt als das ‘o pais dos mil rios’, das Land mit Tausend  Fluessen, für  überdurchschnittlich viel Regen, was mystische Wälder entstehen ließ und einer Atlantikkueste mit Fjorden und goldenen Stränden.

O’Cebreiros kleine Kirchenkapelle, Iglesia de Santa Maria la Real, war nach örtlicher Tradition einst  Herberge des Heiligen Grals. Hier begrüsst mich auch am naechsten Morgen das galizische Wetter mit einer Regen- und Sturmfront, die mich während des Abstiegs Richtung Triacastella zu einem Tänzchen in den abfliessenden Wasserbächen zwingt. Der Sturm und der Regen begleiten mich weiter zu dem Kloster Samos, das Sitz des Benediktinerordens war, und Sarria nach Barbadelo, einem kleinen Ort 5Km hinter Sarria. Sarria ist ein wichtiger Anlauf- und Startpunkt für die Pilger,die die Minimalanforderung von 100Km  fuer eine Compostella (Camino de Santiago Zerfifikat) erfuellen wollen. In der Herberge in Barbadelo finde ich keine Möglichkeit, meine Sachen zu trocknen. Ich habe nichts Trocknenes mehr zum Anziehen und mein ‘Bed-liner’, der Mini Schlafsack, den ich im Rucksack habe, ist auch feucht.

Die letzte Strecke, von Sarria nach Santiago de Compostella , besteht aus 5 Etappen und ist 115Km lang. Sie führt durch meandernde Hügel, mit grünen Feldern und Waldlandschaften mit moosbehangenen Birken, Eichen und Tannen. Ich finde die Landschaften und Wälder sehr mystisch, was sicherlich durch den Regen und den Nebel verstärkt wird. Auf der Etappe von Barbadelo nach Portomarin, zwischen dem Ort Morgade und A Bea komme ich am 100Km ‘Camino-Marker’ vorbei und lasse mich zum ersten Mal seit dem Start neben dem Stein fotografieren – ein wahrer Meilenstein für mich! Seit O Cebreiro regnet es und ich hoffe, dass  ich in Portomarin endlich meine Sachen trocknen kann, denn ich habe schlecht in meinem feuchten Bed-liner und Pyjamas schlafen können.

Meine Freude über das Erreichen des  100Km Punktes gestern  ist sehr gedämpft.Ich habe wenig Energie und   glaube, Fieber und Probleme mit meiner Blase zu haben, nicht nur mit den Blasen an den Fuessen! In Portomarin gibt es weiterhin keine Möglichkeit, meine Sachen zu trocknen; die Herberge ist voll mit Pilgern, die alle  ähnliche Probleme haben. Am nächsten Tag komme ich an römischen Ruinen in der Nähe von Castromaior vorbei. Ich komme ziemlich erschöpft und auch etwas deprimiert in meiner Herberge in Palas de Rei an. Die Herbergseigner erkennen dies recht schnell und bieten grosszügig ihre Hilfe an.  Ich bekomme die Möglichkeit den Wäschetrockner zu benutzen, erhalte ein kleines Zimmers mit nur 4 Betten und einer extra Decke. Darüber hinaus fahren sie mich zur nächsten  Apotheke. Der Apotheker meint, nach einer in ‘Spanglish’ gehaltenen Beschreibung meiner Symptome, dass ich eine Blasenentzündung habe. Ich bekomme Medikamente gegen die Blasenentzündung  und  Mut für meinen weiteren Weg zugesprochen. In der Herberge angekommen, erhalte ich ein warmes Pilgeressen und gehe ins Bett; es ist 18:23. Am nächsten Morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus- auch aus meteorologischer Sicht! Ich fühle mich gut und stark genug, den Weg fortzusetzen – nur noch 68.2 Kilometer.Die müssen doch zu schaffen sein!

Der Camino durch Galizien scheint mehr Anstiege als Abstiege zu haben und so gibt es ein ständiges Auf und Ab auf den letzten Etappen nach Santiago. Meine letzte Übernachtung vor Santiago ist in der Herberge O Burgo in O Pedrouzo, 19.8Km vor Santiago. Ich bin aufgeregt! Ich schlafe gut, esse am Morgen meine Banane, einen Joghurt und einen Muesli Riegel (mein fast tägliches Frühstueck) und auf geht es zur letzten Camino Francés Etappe nach Santiago de Compostela. Der Morgen ist sehr nebelig und es geht durch eine dichten Wald nach Amenal, wo ich anhalte, um einen “café con leche” zu trinken. Dann geht es weiter am Flughafen vorbei nach Monte del Gozo, wo ich einen ersten Ausblick auf Santiago und die Kathedrale bekomme – nur noch 5 Km! Diese letzten Kilometer führen durch urbane Behausung und dann, endlich die letzten 500m, durch den historischen  und von der Unesco als Weltkulturerbe klassifizierten Altstadtkern. Endlich stehe ich auf dem Platz vor der Kathedrale und mit mir viele andere Pilger, die alle die unterschiedlichsten Reaktionen zeigen.Allen möglichen Emotionen wird freien Lauf gelassen!

Ich persoenlich kann es gar nicht fassen hier zu stehen, ich freue mich, aber es kommt mir unwirklich vor. Am 11ten Juni, 22 Tage nach meinem Start in Burgos. Nach einer Weile schaue ich mich um,um zu sehen, ob ich Pilger erkenne, mit denen sich mein Weg gekreuzt hat. Ich erkenne einige, gehe auf sie zu, wir umarmen uns, gratulieren uns und nach einer Weile geht jeder  wieder seinen eigenen Camino. Ich beschliesse, am naechsten Tag mir  meine Compostella ausfertigen zu lassen und mache mich auf die Suche nach meiner Pension Santa Rita, Danach fall ich völlig erschopft  in ein richtiges Bett! Für den Abend habe ich ein freies Ticket für einen Sondereinlass zum ‘Pórtico da Gloria’, eine Romanesker Portikus am Haupteingang der Kathedrale, was für mich einen besonderen abendlichen Abschluss darstellt

Am nächsten Tag stehe ich wie immer routinemaessig früh auf und gehe zum offiziellen Pilgerbuero, wo ich meine Compostella ausgestellt bekomme. Danach erkunde ich während der nächsten 3 Stunden die Altstadt; auf diesem Weg entscheide ich mich meinen Camino in Fisterra und Muxia, an der Atlantikküste zu beenden. Ich gehe zurück in meine Pension und bereite alles für den ‘letzten Teil meines Caminos’ vor.

Warum den Camino gehen?

Ich denke, jeder hat seine eigenen Gründe und seine eigene Art den Camino zu gehen und jeder wird Unterschiedliches erleben und erfahren, wenn er allem offen  gegenueber steht. Mein erster Bewegrund den Camino zu gehen war meine Patnerin Rikke, die gerne lange Strecken wandert und mir viel von dem Camino erzählt hat,sowie mir viele Informationen  darüber gab.Die Lektüre und ihre Erzählungen haben zu dem Wunsch geführt, ihn gemeinsam gehen zu wollen. Der zweite Bewegrund war sicherlich das Langstreckenwandern zu zweit ,was sehr die Gemeinsamkeit stärkt. Man findet einen gemeinsamen Rhythmus, was  im Alltag nicht immer einfach ist. Der Tagesablauf ähnlich sich– alles ist sehr einfach ausgerichtet. Somit findet man  wirklich viel Zeit für den anderen .. aufstehen, essen, Fusspflege, Rucksack anschnallen , laufen, Pause machen, essen, Rucksack anschnallen , laufen, Pause machen, essen, Fusspflege und dann schlafen; alles startet wieder genauso am nächsten Tag (am einfachsten dargestellt).

Was empfinde ich auf dem Camino?

Ich habe sehr  vielfältige Gefühle. Alle gehen den gleichen Weg. Obwohl Santiago ein Ziel darstellt, verbinden alle unterschiedliche , sehr individuelle Ziele, alle gehen unterschiedlichen Schrittes, alle kommen aus  den unterschiedlichsten Ländern mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Religionen . Alle habe unterschiedliche Probleme, einige finden Lösungen- aber alle verbindet, dass sie auf demselben Weg sind. Man trifft Pilger, die gehen im gleichen Rhythmus und andere , die einen völlig unterschriedlichen Rhythmus haben. Pilger die teilen und solche, die nehmen.  Pilger, die klare Vorstellungen haben und solche, die auf der Suche sind. Pilger, die alleine sein wollen und die, die Kontakt suchen. Pilger ,die so ausgerüstet sind, als wollten sie den Everest besteigen und andere, die fast asketisch aussehen.Pilger, die den Camino ,wie im Reiseführer beschrieben, folgen und die, die ihren eigenen Weg beschreiten.Pilger ,die den Camino zu Fuss laufen und andere, die es mit Bus oder Taxi kombinieren. Was erfahre ich: meine Freude am Wandern, die Liebe zur Natur, die Schönheit in der Weite und der verschiedene Landschaftsformen, die Freude an Kontakten zu anderen Pilgern und das Lauschen ihrer Geschichten, die immense Gastfreundschaft der Spanier und ständige Hilfsbereitschaft der Herbergseigner oder –führer, das Gefühl  der Gemeinschaft – da alle das gleiche Ziel haben.  vor allem entwickle ich ein verstärktes Selbstbewusstsein in meine Fähigkeiten. Es gelingt mir, aus Tiefen wieder verstärkt hervozukommen und  mit weniger Vorurteilen auf Menschen und Dinge zuzugehen.

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