„Was halten Sie von Sprach-Apps wie z.B. Babbel?“

Vor einiger Zeit brachte ein Schüler mir den Artikel „ Wie Computer beim Sprachenlernen helfen“ von Julia Ruhnau aus dem Hamburger Abendblatt vom 24./25.2.2018 mit. Ich fand diesen Artikel äußerst interessant, denn ich werde in der letzten Zeit immer öfters gefragt, was ich von den Sprach-Apps wie Babbel, Duolinguo, Rosetta Stone, etc. halte. Wahrscheinlich vermutet man im Allgemeinen ,dass ich gegen die Benutzung dieser Apps bin, da ich befürchten könnte, dass sie meine Arbeit als selbständige Sprachenlehrerin gefährden könnten. Demzufolge sind viele über meine Antwort überrascht.

Ich bin für alle Mittel, die helfen ,eine Sprache zu lernen .Eine Sprache zu lernen ,ist kein leichtes Unterfangen und somit sind alle Mittel recht, die den Lernenden dabei unterstützen, dieses Ziel zu erreichen. Dazu gehören die Sprach- Apps genauso wie das Anschauen von Filmen in der Fremdsprache, die Lektüre von Zeitungen und Büchern, Onlinekurse, etc. Alle diese Mittel sind sehr nützlich und können den Unterricht bei einem Lehrer ergänzen, aber sie ersetzen ihn nicht.

Die Sprach-Apps ,wie z.B. Babbel, Duolinguo, etc . sind sehr nützlich, um Hemmungen und die Scheu vor einer fremden Sprache abzubauen. Man kann sich ohne äußeren Druck mit der fremden Sprache vertraut machen und bestimmt das Lerntempo selber. Auch bieten die Sprach-Apps die Möglichkeit ,das Vokabular einer Sprache wieder aufzufrischen. Im Allgemeinen werden Wortschatz und Gesprächssituationen des Alltags trainiert, aber da Erläuterungen zur Grammatik der Sprache eher nicht integriert sind ,fehlt dem Lernenden eine Einsicht in die Struktur und Aufbau der Fremdsprache. Der Schüler kommt über eine gewisses Basisniveau nicht hinaus. So urteilt Harald Clahsen, Professor am Potsdamer Forschungsinstitut für Multilingualismus (PRIM),dass es den Apps an einer Anleitung durch einen Lehrer entbehrt.(Siehe den oben genannten Artikel)

Wie viele meiner Schüler, die mit diesen Apps gearbeitet haben, sagen, braucht man auch aus Gründen der Disziplin und des Feedbacks einen Lehrer. Lernt man für sich allein ,hat man weniger Disziplin und verschiebt oft Termine ,an denen man lernen wollte. Die regelmäßigen Termine mit dem Lehrer, der Wissen abfordert ,schafft eine gewisse Disziplin, die dem Schüler hilft, sein Lernpensum zu verwirklichen. Wie beim Fernstudium ist die Zahl der Drop-Outs bei diesen Apps immens. Sicher kann das Erreichen gewisser Levels bei den Sprach-Apps motivierend wirken, jedoch sind die differenzierten Möglichkeiten des Feedbacks von einem Lehrer auch auf Dauer viel leistungsfördernder.

Was jedoch am meisten für den Unterricht mit einem Lehrer spricht ,ist die Sprachpraxis ,die die Apps nicht gewährleisten können. Um eine Sprache wirklich sprechen zu können, muss man das Sprechen im Unterricht trainieren. Im Laufe meiner langjährigen Tätigkeit habe ich oft erlebt, dass Schüler, obwohl sie oft seit Jahren mit dem Erlernen einer Sprache beschäftigt sind, die Sprache nicht sprechen können oder sich nicht trauen, sie zu sprechen.(siehe dazu auch meinen Artikel “Englisch für Angsthasen“ auf meinem Blog) Sie haben oftmals viel passives Wissen und schneiden bei Eingangstests, die zumeist grammatikalisches Wissen und Vokabeln abfragen, gut ab, aber oft entspricht ihre Fähigkeit zu sprechen nicht diesem passiven Wissen. Auch die Sprach—Apps zielen auf das Erlangen von passivem Wissen hin und müssen durch Präsenzkurse mit einem Lehrer, der das Sprechen fördert und die Schüler beim Erreichen dieses Ziels unterstützt, ergänzt werden.

Der Weg meiner Familie nach Liberia

Im letzten Beitrag zu meinem Blog bin ich auf einige häufig gestellte Fragen zu meiner Kindheit in Liberia eingegangen, insbesondere ging es um die Frage, ob es in Liberia auch ein System der “Apartheid” gab, wie man es aus Südafrika kennt.

Jetzt möchte ich auf weitere Fragen eingehen:

1.Warum sind deine Eltern nach Liberia gezogen?

Um diese Frage beantworten zu können, muss ich ein wenig ausholen und etwas weiter in die Familiengeschichte zurückgehen. Helgoland-Sansibar: Was haben diese Inseln, die soweit von einander enfernt sind ,mit meiner Geschichte zu tun?

Meine Großeltern väterlicherseits lebten in Sansibar, als mein Vater 1914 geboren wurde.Mein Großvater hatte dort eine Import-Exportfirma. Meine Großmutter war Lehrerin, aber ich weiß nicht,ob sie auf Sansibar unterichtet hat. Als meine Großeltern dorthin gezogen sind, war Sansibar ein freies Sultanat, das allerdings unter der “Schutzherrschaft”,so nannte man das damals, des Deutschen Reiches stand. In dem Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Vereinten Königreich Großbritannien vom 1.7.1890 verpflichtete sich das Deutsche Reich, die britische Schutzherrschaft über Sansibar im Austausch mit Helgoland anzuerkennen.(Wikipedia.”Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Vereinigten Königreich über die Kolonien und Helgoland”).Meine Großeltern lebten also, als mein Vater geboren wurde, als Deutsche auf britischem Hoheitsgebiet. Als am 28.7.1914 der 1.Weltkrieg ausbrach, wurde die Familie meines Vaters und somit auch er Kriegsgefangene,die kurze Zeit danach nach Gao in Indien deportiert wurden.Die 6 Jahre,die mein Vater dort verbrachte, haben so eine starke Sehnsucht nach einem Leben in fernen Ländern geweckt, dass er nach seiner Schulzeit und Lehre in Hamburg,und noch minderjährig, zum 1.Mal per Schiff nach Liberia reiste.Viele Bilder und Erzählungen meines Vaters zeugen davon, dass er dieses Leben sehr genoss.

Während des Krieges war mein Vater als deutscher Soldat in den Niederlanden stationiert,wo er meine Mutter,die Holländerin war, kennenlernte. Aufgrund der Kriegssituation und der Tatsache,dass sie verfeindeten Nationalitäten angehörten,war ihre Beziehung äußerst schwierig .Sie waren 9 Jahre verlobt und wussten oft nicht, ob der andere noch am Leben war.Als sie dann endlich heiraten konnten, lebten sie ein Jahr In Lüneburg.

Die Rückkehr meines Vaters nach Liberia

Wie meine Mutter später erzählte, war mein Vater dort nicht richtig glücklich und vermisste Liberia so sehr ,dass sie nach einem Jahr ungefähr gemeinsam nach Liberia ausreisten.So kam es dann, dass mein Bruder und ich in Liberia geboren und aufgewachsen sind. Ein weiterer Grund für meine Eltern nach Liberia zu ziehen, war die Situation in Nachkriegsdeutschland.Liberia bot meinen Eltern eine interessante Arbeitsperspektive, einen besseren Verdienst, Sicherheit und die Möglichkeit, in einem wunderbaren Land mit vielen Menschen unterschiedlicher Nationalität in Frieden zu leben.

Am Beispiel meines Vaters wird, meiner Meinung nach, besonders deutlich ,welche Auswirkungen gesellschaftliche und politische Ereignisse auf das Leben eines Menschen haben. Wie bereits erwähnt, wurde mein Vater in britischen Hoheitsgebiet geboren.Bis er 21 Jahre alt wurde,stand der Zusatz “British-born” in seinem Pass. Mit 21 Jahren musste mein Vater sich entscheiden, ob er die britische oder die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen wollte. Da seine Eltern und Familie Deutsche waren, seine Muttersprache Deutsch war, er in Deutschland gelebt hatte und nicht im selben Maße vertraut mit England war,entschied er sich für die deutsche Nationalität.

Gerade in Anbetracht des 2.Weltkrieges wäre vieles in seinem Leben ganz anders gekommen: mein Vater wäre kein deutscher Soldat geworden, er wäre nicht in Holland stationiert gewesen, er hätte meine Mutter nicht kennengelernt und …..und….und!

Warum ist deine Familie nicht in Liberia geblieben, bzw. warum seid ihr später nach Hamburg gezogen?

Für uns alle,aber insbesondere für uns Kinder,war das Leben in Liberia wie einst im Paradies. Es fehlte uns an nichts. Alle 2 Jahre bekam mein Vater, wie alle anderen Angestellten der Firma auch, 3 Monate Urlaub ,die wir dann in Europa bei unseren Familien In Deutschalnd und den Niederlanden verbrachten. Der einzige Nachteil des Lebens in Liberia war,dass die firmeneigene amerikanische Schule, die wir Kinder dort besuchten, nur Unterricht bis zur 7.Klasse anbot.Die Gründe hierfür kenne ich nicht.In der nahen Umgebung gab es keine andere Schule,die wir hätten besuchen können und deren Abschlüsse international anerkannt worden wären.So blieb nur die Möglichkeit,wenn die Kinder dieses Alter erreicht hatten, Liberia zu verlassen oder die Kinder auf weiterführende Schulen zumeist in den Heimatländern der Eltern zu schicken,was die meisten Familien auch taten.

Meine Zeit in Las Palmas,Gran Canaria

In meinem Fall war es so, dass ich mit 13 Jahren nach Las Palmas, Gran Canaria, zog, wo es eine deutsche Schule mit einem Internat gab .Fürdie Lösung sprach, dass sie näher an meiner damaligen Heimat Liberia lag und ich deswegen meine Familie öfters besuchen konnte, zum anderen lebte eine 2 Jahre ältere Freundin bereits seit ihrem 10 .Lebensjahr dort. Ihre Eltern waren Holländer,gute Freunde meiner Eltern, die genauso wie mein Vater für die amerikanische Firma dort arbeiteten. Majana und ich teilten uns ein Zimmen, und sie hat mir sehr geholfen,mich dort einzuleben. Heute lebt sie in Rotterdam.

Bevor jetzt alle Mitleid mit mir bekommen, muss ich sagen, dass die Umstellung nicht einfach war, zumal der Unterricht an der Schule jetzt in deutscher Sprache war und ich meine Familie natürlich sehr vermisst habe, aber dass ich diese Zeit nicht als schrecklich in Erinnerung habe. Wir waren maximal 10-15 Kinder, die alle mit der Heimleitung zusammen in einem großen Haus in Las Palmas lebten .Es war eher wie in einer Großfamilie- garnicht zu vergleichen mit den “Internats- Filmen”, die in Deutschland oder England spielten.Außerdem konnte ich im Sommer 3 Monate und zu Weihnachten 3-4 Wochen bei meiner Familie in Liberia sein.

Mein Eltern haben unter dieser Trennung sehr gelitten, und so kam es nach 3 Jahren, als ich die Schule in Las Palmas mit der Mittleren Reife beendet hatte und auf ein Internat nach Deutschland hätte umziehen müssen,zu dem Entschluss meiner Eltern, unser liberianisches Paradies zu verlassen und nach Hamburg zu ziehen. Es war für uns alle ein sehr schwerer Schritt, von allem Abschied zu nehmen und ein neues Leben in Hamburg anzufangen.

Wie haben wir damals die Zeit der Trennung überlebt… ohne die technischen Möglichkeiten von heute?

Ganz nebenbei bemerkt, wenn ich an diese Zeit in Las Palmas denke, fällt mir auch ein, dass ich, bis auf die normale Briefpost, die mindestens 10 Tage von Las Palmas nach Liberia und auch umgekehrt dauerte und ein Telegramm, das ich nur einmal nach der bestandenen Mittlere Reife Prüfung an meine Eltern geschickt habe,keine Möglichkeiten hatte,mit meinen Eltern in Liberia in Kontakt zu treten.Es gab keine Telefonverbindung, kein WhatsApp, Skype, Twitter, Viber, etc. Man kann sich das heute kaum vorstellen, aber irgendwie haben wir das auch geschafft.

Ich hoffe, damit wieder einige Fragen zu meinen Leben beantwortet zu haben.In meinem nächsten Blog geht es um unser Einleben in Hamburg und den Bürgerkrieg in Liberia.

FAQ über meine Kindheit in Liberia

Im Zusammenhang mit meinem Englischunterricht werde ich oft gefragt, wo ich Englisch gelernt habe. Meine Antwort, dass ich eine amerikanische Schule in Liberia besucht habe, führt dann zu vielen weiteren Fragen, wie z.B.:

–    Wo liegt Liberia überhaupt?
–    Gab es dort „Apartheid“ wie in Südafrika?
–    Hast du auch die liberianische Staatsangehörigkeit?
–    War Liberia eine amerikanische Kolonie?
–    Warum ist deine Familie dort hingezogen?
–    Was haben deine Eltern dort gemacht?
–    Seid ihr wegen des Bürgerkriegs in Liberia nach Hamburg gezogen?
–    Wie sieht die politische Situation in Liberia jetzt aus?
–    Bist du in der Zwischenzeit mal wieder dort gewesen?
–    Hast du Sehnsucht nach Liberia und möchtest du mal wieder dorthin zurück?

Da alle, mit denen ich über Liberia gesprochen habe, die Informationen sehr interessant fanden, möchte ich jetzt in diesem Beitrag zu meinem Blog auf die gängigsten Fragen eingehen.
Wo liegt Liberia überhaupt?

Liberia liegt in West Afrika ,zwischen Sierra Leone im Westen, Guinea im Norden und der Elfenbeinküste im Osten, nicht sehr weit vom Äquator entfernt.
Zum Vergleich mit Deutschland sind hier einige Zahlen, die ich bei Wikipedia (de.m.wikipedia.org) gefunden habe:

Liberia Deutschland
Größe 97.079 km2 357.385,71 km2
Einwohnerzahl 4.092.310 (2014) 82.175.684 (2015)
Einwohner pro km2 42 230

 
Gab es dort „Apartheid“ wie in Südafrika?

Wenn die Leute hören, dass ich in Liberia geboren und fast 16 Jahre meines Lebens dort verbracht habe, sind sie zumeist überrascht. Manche sind etwas peinlich berührt und drucksen mit der Frage nach dem System der „Apartheid“, wie es bekanntlich in Südafrika bestanden hat, rum. Andere fragen  direkt oder gehen automatisch davon aus ,dass  dieses System der Rassentrennung und Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung auch dort existiert hat.
Glücklicherweise kann ich sagen, dass das nicht der Fall war, denn es würde mich sehr belasten, zu wissen, dass meine Familie, meine Freunde und ich  ein solches System unterstützt hätten.

Die meiste Zeit lebte ich in Bomi Hills im Landesinnern Liberias ,in dem eine amerikanische Firma, die die reichlich vorhandenen Eisenerzvorkommen abbaute,sich angesiedelt hatte .Der liberianische Staat war immer mit 51% an dieser, wie auch an allen anderen ausländischen (deutschen, schwedischen, etc.) Firmen, beteiligt und hatte somit auch entscheidenden Einfluss auf unternehmerische und unternehmenspolitische Entscheidungen.
In unserer Siedlung lebten nicht nur viele verschiedene Nationalitäten, sondern auch schwarze und weiße Angestellte der Firma nebeneinander – ganz unabhängig von ihrer Hautfarbe. Auf unserer Schule wurden die weißen und schwarzen Kinder der Firmenangestellten von weißen und schwarzen Lehrern unterrichtet. Mein Bruder und ich hatten weiße und schwarze Freunde, die wir besuchten und die uns zuhause besuchten.
Gerade heute habe ich von einem liberianischen Freund, der während des Bürgerkriegs in die USA geflohen war, aber mittlerweile wieder in Liberia lebt und sich zum Ziel gesetzt hat,seine Heimat wieder aufzubauen, folgenden Post auf Facebook erhalten: „ Your family was one of the greatest I ever met in Bomi (der Ort, an dem wir lebten), I shall never forget the love shown to me during those times we lived as neighbors. Chris (Christian,mein Bruder) and I would roam the entire Bomi Hills together.I was always an invited guest at the family dining table.Those wonderful and delicious German meals and pastries your mom made.Then Chris would come over to my house and he got the same love. Oh boy,did he love `Red Palm Oil and Rice´(eine liberianische Delikatesse).Till this day my mom asks me if I have made contacts with my´Red Palm Oil and Rice´ friend.“
Ein weißer amerikanischer Klassenkamerad von damals schrieb neulich: „What I brought home with me from Liberia is what I carry with me today.I need beautiful people of color to make me see all the beauty of the world.“
Damals als Kind- wir haben Liberia 1969 verlassen – habe ich nicht weiter darüber nachgedacht, aber im Nachhinein finde ich es immer noch ein sehr interessantes Phänomen, dass viele Amerikaner, die aus dem Süden der USA stammten, wo die Rassentrennung noch bis 1964 offiziell erlaubt war, in Liberia gezwungen waren, gleichberechtigt und respektvoll mit Schwarzen umzugehen.
Interessant ist auch,dass der liberianische Staat wegen „Apartheid“  keine diplomatischen Beziehungen zu Südafrika unterhielt.Eine direkte Flugverbindung zwischen Liberia und Südafrika gab es auch nicht .Das bedeutete nicht nur, dass man von Liberia  nicht auf direktem Wege  nach Südafrika fliegen konnte, sondern auch, dass sämtliche Post von Liberia nach Südafrika über England weitergeleitet wurde.

Dass es keine Diskriminierung in Liberia gab, hängt mit den Gründen für die Gründung des Staates Liberia zusammen.

„The love of liberty brought us here“- die Gründung Liberias

Bekanntlich ging die Kolonisierung Amerikas vom 16. bis zum 19.Jahrhundert mit der Massenversklavung von Afrikanern einher, die als billige Arbeitskräfte unter den menschenunwürdigsten Bedingungen auf den Plantagen der weißen Sklavenhalter, vor allem im Süden der USA, schufteten.
Aus humanistisch-religiösen Gründen stellte sich in Teilen der amerikanischen Bevölkerung zunehmend die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Sklaverei. Dazu kam, dass die Anzahl der Sklavenaufstände gegen ihre Lebensbedingungen zu nahm. Im Zuge dieser Entwicklungen hatte sich 1816 in Washington D.C  die American Colonization Society gebildet, die sich aus Gegnern der Sklaverei, in Freiheit geborenen Schwarzen und befreiten Sklaven zusammensetzte. Es war das Ziel dieser Organisation , Sklaven wieder nach Afrika zurückzubringen und sie dort anzusiedeln. Zu den Unterstützern dieser Organisation gehörten u.a. Abraham Lincoln und James Monroe ,der in seiner späteren Funktion als Präsident der USA dieser Organisationen die entscheidenden finanziellen Mittel für diese Unternehmungen zur Verfügung stellte. Am 2.2. 1820 segelten die ersten Schwarzen los  und erreichten am 9.3.1820 die Küste West Afrikas. Das Land, das sie von den dort ansässigen Stammeshäuptlingen kauften, nannten sie am 26.7.1847 bei der Gründung des ersten unabhängigen Staates in Afrika in Anlehnung an das Wort „Liberty“ (Freiheit) „Liberia“. Auf dem Wappen des neuen Staates steht auch heute noch: „The love of liberty brought us here:“
Die Verfassung und die Fahne wurden nach den amerikanischen Vorbildern geschaffen. Doch in der Verfassung wurde sich auch auf das besondere Schicksal der ersten Bürger dieses neuen Staates bezogen:
„ We ,the people of the Republic of Liberia, were originally inhabitants of the United States of America.
In some parts of that country we were debarred by law from all the rights and privileges of men; in other parts public sentiment, more powerful than
law, frowned us down.
We were everwhere shut out from all civil office.
We were excluded from all participation in the government.
We were taxed without our consent.
We were compelled to contribute to the resources of a country which gave us no protection.
We were made a separate and distinct class,and against us every avenue of improvement was effectually closed. Strangers from all lands of a colour different from ours were preferred before us.
We uttered our complaints ,but they were unattended to¸ or met only by alleging the peculiar institution of the country.
All hope of a favorable change in our country was thus wholly extinguished in our bosom, and we looked with anxiety abroad for some asylum from the deep degradation. …“ (Zitat aus Benjamin Brawley, „A Social History of the American Negro“,S.190ff.Collier Books, USA, 1971)

Aus Respekt und Dankbarkeit dem damaligen US Präsidenten James Monroe gegenüber,  gaben die Siedler ihrer Hauptstadt und meiner Geburtsstadt den Namen Monrovia.

Aus der besonderen Geschichte dieses Staates wurde in der Verfassung festgelegt, dass Liberia eine Zufluchtstätte für Schwarze sein sollte und, dass nur Schwarze die liberianische Staatsangehörigkeit erhalten könnten.
Daraus ergibt sich auch die Antwort nach meiner Staatsangehörigkeit. Obwohl ich in Liberia geboren bin, kann ich die liberianische Staatsangehörigkeit nicht
erwerben. Interessant ist, dass diese Tatsache, damals als Schutz gegen weitere Diskriminierung gedacht, heute von vielen Liberianern, aber auch Ausländern, die lange in Liberia gelebt haben bzw. leben als rassistisch und somit diskriminierend angesehen wird. Ein indischer Bekannter äußerte sich neulich folgendermaßen dazu:“ I felt racially discriminated when I found out that one can become a Liberian only if you are of Negroid origin – it is in the Liberian constitution.“ Ich ,für mein Teil, habe immer Verständnis für diesen Passus in der liberianischen Verfassung gehabt.

Statistiken und Bildmaterial stammen von Wikipedia ( de.m.wikipedia.org)

Ich hoffe, ich habe einige Fragen zu dem Thema Liberia zufriedenstellend beantwortet. Bei meinem nächsten Beitrag wird es um die weiteren Fragen gehen.

Deutsche Begriffe im Englischen: Von Dummkopf bis Warmduscher

Dummkopf, Kaffeeklatsch,Kitsch,Schadenfreude,Weltschmerz,Angst,Kummerspeck,Sitzpinkler,Warmduscher, etc. deutsche Wörter, die im Englischen Fuß gefasst haben.

In meinem letzten Blog habe ich mich zu dem Thema geäußert, dass wir immer mehr englische Wörter ins Deutsche integrieren. Teilweise sind die Wörter, wie z.B. Team, fair, Babysitter, Meeting, etc. so fest in unsere Spreche integriert, dass wir gar nicht mehr wissen, dass sie aus der englischen Sprache stammen. So wurde ich neulich im Zusammenhang mit einem Gespräch über Fußball von einem Nachhilfeschüler gefragt ,was „Team“ und „fair“ auf Englisch heißen. Diese Begriffe haben wir ohne Modifizierung in die deutsche Sprache übernommen. Andere Begriffe wie „ausflippen“, „downloaden“, oder „chatten“ sind eingedeutscht worden und werden wie deutsche Verben konjugiert( z.B. lauten die Partizipien: ausgeflippt, downgeloaded ,gechattet).

Die Rede war auch von Pseudoanglizismen,Wortschöpfungen in der englischen Sprache, die ein englischer Muttersprachler nicht versteht. Einige dieser Wörter sind;“ Antibabypille“ (birth control pill,oral contraceptive),“handy“ (mobile,cellphone),“ showmaster“ (host),“ mobbing“ (harassment).

Vielen aber ist unbekannt ,dass auch viele Begriffe aus dem Deutschen im Englischem Fuß gefasst haben. Begriffe, wie z.B.“ Autobahn“ ,“Kindergarten“, „Hinterland“,“ echt“,“ Kaffeeklatsch“,“ Mischmasch“ ,“Mensch“, „Dummkopf“ ,“Kitsch“ werden in der englischen Sprache schon länger gebraucht. Ich erinnere mich noch an eine Situation, als ich auf einer Londoner U-Bahn Station nießen musste und ein, wie sich später herausstellte, Engländer „Gesundheit“ zu mir sagte. Danach habe ich das Wort auch noch öfters gehört und gelesen.“Gesundheit“ sagt man natürlich nur im Zusammenhang mit Nießen .Spricht man sonst über Gesundheit, heißt das Wort „health“ .

Es gibt auch viele deutsche Wörter aus dem Lebensmittelbereich, wie z.B. „Zwieback“, „Streusel“, „Schnitzel“, „Schmalz“, “Pumpernickel“, „Kohlrabi“, „Leberwurst“, „Müsli“, „Marzipan“, „Kuchen“;,“Quark“, „Rollmops“, „Sauerbraten“, „Glühwein“, „Hefeweizen“, “Jägermeister“, „Bratwurst“, „Delikatessen“, etc. Mit diesem Wortschatz wird man sogar ohne Englischkenntnisse in den USA überleben können.

Besonders interessant finde ich, dass oft deutsche Wörter übernommen wurden, um abstrakte Phänomene bzw. Emotionen auszudrücken. Dazu gehören: „Katzenjammer“, „Schadenfreude“, „Nestwärme“, „Schwärmerei“, „Leitmotiv“, “ „Sprachgefühl“,“ Nichts“, „Weltanschauung“, „Zeitgeist“, etc . Auch Begriffe wie z.B. „Angst“, oft auch „German angst“ genannt und „Weltschmerz“ werden häufig benutzt. Diese Phänomene werden mit der „deutschen Seele“ assoziiert. Zu Deutschland und den Deutschen gehören nach Meinung vieler Amerikaner und Briten auch die Begriffe „Gemütlichkeit und gemütlich“, der „Kaffeeklatsch“, die „Lederhosen“, “das Oktoberfest“ ,was auch vielfach in den USA gefeiert wird. Man spricht auch vom „Wirtschaftswunder“ ,wobei das Wort „Wunder“ auch im Zusammenhang mit „wunderbar“ oder auch „“Wunderkind“ häufig verwendet werden.
Viele Jugendliche kennen aus ihren Reisen in die USA, Australien und Neuseeland die Wörter „backpack“ und “backpacker“, aber auch das deutsche Wort „Rucksack“ ist im englischen Sprachgebrauch sehr geläufig. Politische Begriffe, die in Deutschland geprägt wurden, wie z.B. „Berufsverbote“,“Waldsterben“, „Machtkampf“, „Ostpolitik“, Kulturkampf“ etc. tauchen in politischen Diskussionen auf.

Peter Littgers Buch „ The Devil lies in the Detail“ (Verlag Kiepenheuer und Witsch,2016) enthält eine ausführliche Liste solcher Wörter, die in die englische Sprache übernommen wurden.. In diesem Werk schreibt er auch über die amerikanische Autorin Robyn Schneider, die ihre“ Lücken“ im englischen Wortschaft („Lexical gaps“ ,S.77) ) mit deutschen Wörtern ausfüllt. Zu ihren Lieblingswörtern gehören: „Sitzfleisch“ ,“Schadenfreude“,“ Fernweh“,

„Weltschmerz“ ,“Kummerspeck“, „Sitzpinkler“, „Warmduscher“.(Siehe Seite 77/78 des genannten Buches) In diesem Buch erwähnt Peter Littger auch die letzte „Errungenschaft“ aus dem Deutschen- nämlich die Vorsilbe „über“ oder auch ohne Umlaut „uber“, was ähnlich dem Wort „super“ anderen Adjektiven vorangestellt wird,um eine größere Steigerung zu erreichen. Als Beispiel nennt er in seinem Buch die Beispiele „uberawesome“,“uber-beauty“,“ ubersexy“ und „uberrich“, (nachzulesen auf Seite 87.)

In diesem Sinne dann: I hope you find my article uber-interesting.

Englische Begriffe

Englische Begriffe sind schon lange nicht mehr aus der deutschen Sprache wegzudenken. Das geht sogar soweit ,dass man sich manchmal gar nicht mehr bewusst ist, dass einzelne Wörter englischen Ursprungs sind. Gerade in der letzten Zeit bin ich häufiger danach gefragt worden, wie die englische Entsprechung für z.B. Begriffe wie „ Team“ ,“fair“ ,“Babysitter“, “Meeting“, „Party“ ,etc. sind. Zugegebenermaßen waren es alles Jüngere, die mich danach fragten, aber ich glaube, diese Fragen hätten auch von Älteren kommen können. Diese Begriffe sind einem so vertraut und gar nicht mehr aus unserer Sprache wegzudenken.

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Englischunterricht für Angsthasen

In meinem letzten Blog habe ich bezugnehmend auf den Artikel „ Do you speak English“  von Sandra Schröpfer im Hamburger Abendblatt vom 20./21.2.2016 darüber geschrieben, wie wichtig es für die deutsche Wirtschaft ist, das Niveau in Englisch anzuheben, um qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland zu motivieren, nach Deutschland zu kommen .In diesem Artikel wurde auch erwähnt, dass viele Fachkräfte aus dem Ausland es vorziehen, in die Niederlande oder nach Skandinavien zu ziehen, weil dort das Niveau höher ist als hierzulande. Continue reading

Unterschiede zwischen dem britischen und dem amerikanischen Englisch

Im Rahmen meines Sprachenunterrichts werde ich oft nach den Unterschieden zwischen dem britischen und dem amerikanischen Englisch gefragt. Früher orientierte man sich in Hamburg sehr stark an dem britischen Englisch, aber heute in einer Zeit, in der viele Leute in die USA reisen, viele Schüler ein Auslandsjahr in den USA verbringen und amerikanische Serien auch bei uns sehr beliebt sind, ergeben sich immer mehr Fragen nach den Unterschieden. Continue reading

Typische Fehler und lustige Geschichten aus dem Sprachenunterricht

Neulich wollte ich mit einem Kunden, der schon ganz gut Englisch spricht,  einen neuen Termin abmachen. Wir sprachen Englisch und er sagte, dass er gerne (zu dem Thema „gerne“ habe ich mich in meinem letzten Beitrag geäußert) am Donnerstag kommen würde .Ich schlug also meinen Kalender (ja, ich habe immer noch einen Terminkalender) auf, und schaute nach, wann wir uns am Donnerstag treffen könnten. Dabei fiel meinem Kunden auf ,dass er gar nicht Donnerstag sondern Dienstag gemeint hatte. Continue reading

Typische Fehler und falsche Freunde Teil 1

Ich unterrichte nun schon seit einigen Jahren Englisch und im Laufe dieser Zeit haben sich einige Fehler, die Englischschüler machen, als typisch herausgestellt.

Dazu gehört vor allem ,dass viele der Lernenden, auch Fortgeschrittene, das S bei he, she, it vergessen. Darauf angesprochen, scheinen viele die Regel he, she, it S muss mit zu kennen, aber anscheinend reicht das nicht aus, um sie tatsächlich anzuwenden. Witzig ist, dass die Deutschen damit nicht alleine liegen. Ich habe neulich gelesen, dass auch andere Nationalitäten dieses S weglassen. Continue reading

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